Parodontologie

Die Erkrankung des Zahnfleischs wird oft jahrelang nicht bemerkt, weil uns keine Schmerzen plagen. Und doch kann dies zum Abbau von Knochen und letztendlich zum Verlust von Zähnen führen.

Warnzeichen

Es ist wich­tig, bestimm­te Warn­zei­chen nicht zu über­se­hen. Hier eini­ge Zei­chen an denen Sie eine Zahn­fleisch­erkran­kung erken­nen können:

  • Zahn­fleisch­blu­ten bei der Rei­ni­gung mit der Zahn­bürs­te oder der Zahnzwischenbürste
  • Schwel­lung des Zahn­fleischs zwi­schen den Zäh­nen oder am Zahnfleischrand
  • dunk­le­re Far­be im Gegen­satz zu blass-rosa­far­be­nen, gesun­dem Zahnfleisch
  • schlech­ter Geschmack
  • Mund­ge­ruch
  • Beweg­li­che Zäh­ne: wenn Zäh­ne zu „wan­dern“ begin­nen, län­ger wer­den, oder sich Lücken bilden
  • Rück­gang des Zahnfleischs

In allen die­sen Fäl­len soll­te Ihr Zahn­fleisch unter­sucht werden.

HIER fin­den Sie eine aus­führ­li­che Bro­schü­re zum The­ma Zahn­fleisch­ent­zün­dung und was man dage­gen tun kann!

 

 

Unsere Spezialisten für Parodontologie

Dr. Sabi­ne Baron M.Sc. ist auf das Fach­ge­biet der Par­odon­to­lo­gie spe­zia­li­siert und erwarb hier in einem Mas­ter­stu­di­en­gang an der Frei­bur­ger Alber­tus-Lud­wig-Uni­ver­si­tät den Titel „Mas­ter of Science“.

Sehen Sie dazu auch unseren Video-Ratgeber Zahnfleischerkrankungen:

Ursachen für Zahnfleischentzündungen

Zahn­fleisch­rück­gang mit Entzündung

Die Ursa­che für die Ent­zün­dun­gen von Zahn­fleisch und Zahn­bett sind zumeist Mikro­or­ga­nis­men. Die­se befin­den sich in den Belä­gen auf der Zahn­ober­flä­che. Dort kön­nen sie sich, meist durch Nischen geschützt, ver­meh­ren. Sie ver­ur­sa­chen zunächst Ent­zün­dun­gen des Zahn­fleischs. Die­se kann man an der Schwel­lung und Blu­tungs­nei­gung erken­nen. Das geschwol­le­ne Zahn­fleisch liegt der Zahn­ober­flä­che nur noch lose an: es bil­det sich eine soge­nann­te Zahnfleischtasche.

Erreicht die sich in die Tie­fer aus­brei­ten­de Ent­zün­dung den Kno­chen, der für die Sta­bi­li­tät der Zäh­ne ver­ant­wort­lich ist, kommt es zum Kno­chen­ab­bau. Dadurch wird der Zahn beweg­li­cher, ver­än­dert sei­ne Stel­lung und ver­liert sei­ne Kau­sta­bi­li­tät. Als Fol­ge des Kno­chen­rück­gangs kann es auch zu einem Rück­gang des Zahn­fleischs kom­men: die Zäh­ne wer­den „län­ger“. Meist ver­lau­fen die­se Ent­zün­dun­gen jah­re­lang lang­sam fort­schrei­tend ohne Beschwer­den zu ver­ur­sa­chen. Die Geschwin­dig­keit des Kno­chen­ab­baus und auch die Schwe­re der Ent­zün­dung hän­gen von der Art der Mikro­or­ga­nis­men aber auch von der Stär­ke der Kör­per­ab­wehr ab.

Zahn­fleisch­rück­gang ohne Entzündung

Zahn­fleisch kann aber auch ohne Ent­zün­dung zurück­ge­hen. Dadurch wer­den dann die emp­find­li­chen Zahn­wur­zeln frei­ge­legt. Lan­ge Zäh­ne kön­nen zudem den ästhe­ti­schen Ein­druck stö­ren. Ursa­chen für den nicht-ent­zünd­li­chen Zahnfleischrückgang:

  • ver­erb­tes dün­nes und emp­find­li­ches Zahn­fleisch (gene­ti­sche Ursache)
  • fal­sche Bürsttechnik
  • Zäh­ne­knir­schen
  • Zug durch tief­an­set­zen­de Bänder

Mit Hil­fe von plas­tisch-chir­ur­gi­schen Metho­den kön­nen die frei­lie­gen­den Zahn­wur­zeln dann wie­der mit fes­tem, sta­bi­lem Zahn­fleisch dau­er­haft bedeckt wer­den, wenn kein Kno­chen­ab­bau statt­ge­fun­den hat.

Zahnärztliche Untersuchungsmethoden

Sorg­fäl­tig wird unter­sucht, ob eine Erkran­kung über­haupt besteht, wenn ja wel­che. Unter­sucht wird dabei das Zahn­fleisch u.a.
  • Blu­tungs­nei­gung, d.h. ob eine vor­sich­ti­ge Berüh­rung bereits zu einer Blu­tung ausreicht
  • die Taschen­tie­fe, als Maß wie weit sich die Ent­zün­dung bereits an der Zahn­ober­flä­che ent­lang unter das Zahn­fleisch aus­ge­brei­tet hat
  • der Locke­rungs­grad der Zäh­ne, der als Maß­stab für das Aus­maß des Kno­chen­rück­gangs zu wer­ten ist
  • mit Rönt­gen­auf­nah­men wird der Kno­chen­ver­lauf um die Zahn­wur­zeln her­um unter­sucht und beur­teilt in wel­chem Maße ein Kno­chen­ab­bau statt­ge­fun­den hat

DNA-Son­den­test

Bei den die Par­odon­ti­tis ver­ur­sa­chen­den Bak­te­ri­en exis­tie­ren soge­nann­te Mar­kerkei­me, wel­che trotz gründ­li­cher mecha­ni­scher Rei­ni­gung des Zahn­hal­teap­pa­ra­tes bestehen blei­ben kön­nen und somit eine Par­odon­ti­tis wei­ter unter­hal­ten kön­nen. Die­se gilt es bei einer Par­odon­ti­ti­sthe­ra­pie zu eliminieren.

Zur Keim­be­stim­mung nutzt man einen ein­fa­chen, schnel­len und schmerz­frei­en Test. Mit Hil­fe von Papier­spit­zen wer­den Pro­ben aus den Zahn­fleisch­taschen ent­nom­men, in ein Labor geschickt und dort unter­sucht. Wer­den die gesuch­ten Bak­te­ri­en nach­ge­wie­sen, dann wird ent­spre­chend dem Test­ergeb­nis eine die Par­odon­ti­ti­sthe­ra­pie beglei­ten­de Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie geplant, um so die Bak­te­ri­en gezielt zu eli­mi­nie­ren. Eine  Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie allei­ne wür­de nicht zu einem Behand­lungs­er­folg führen.

Zusätz­li­che Test­me­tho­den und indi­vi­du­el­le, pati­en­ten­spe­zi­fi­sche Befunderhebung:

In beson­de­ren Fäl­len kön­nen zusätz­lich die Arten der ver­ur­sa­chen­den Mikro­or­ga­nis­men bestimmt wer­den. Das Resul­tat ist ent­schei­dend für die Behand­lungs­art und die Aus­wahl eines wirk­sa­men Anti­bio­ti­kums. Von wich­ti­ger Bedeu­tung sind u.a. auch all­ge­mei­ne Erkran­kun­gen, das Rauch­ver­hal­ten und Stress.

Ihr Parodontitisrisiko

Den gefähr­li­chen Kei­men auf der Spur 

Neben den eige­nen Bemü­hun­gen in der häus­li­chen Mund­hy­gie­ne und der Teil­nah­me an einem Recall­sys­tem, besitzt jeder Pati­ent sein ganz eige­nes indi­vi­du­el­les Parodontitisrisiko.

Fak­to­ren für ein gestei­ger­tes Risi­ko kön­nen sein:

  • Sys­te­mi­sche Fak­to­ren (z.B. Dia­be­tes mellitus)
  • Gene­ti­sche Fak­to­ren (z.B. IL-1a/1b Polymorphismus)
  • Stress (schwächt das Immunsystem)
  • Niko­tin­kon­sum (der stärks­te Risi­ko­fak­tor überhaupt)

Therapie

Hygie­nisch sau­ber und glatt, auch unter dem Zahnfleisch 

Wich­tig für den Erhalt des The­ra­pie­er­folgs ist die gute häus­li­che Mund­hy­gie­ne, sowie die Teil­nah­me an einer unter­stüt­zen­den Par­odon­ti­ti­sthe­ra­pie (UPT). Ohne die Teil­nah­me an einem regel­mä­ßi­gen Recall wird der Erfolg einer Par­odon­ti­ti­the­ra­pie nicht von Dau­er sein.

Die The­ra­pie beginnt mit Vor­be­hand­lun­gen, bei denen eine gründ­li­che Rei­ni­gung ober­halb des Zahn­fleisch­ni­veaus erfolgt, aber auch eine Mund­hy­gie­neun­ter­wei­sung. Die­se soll dazu füh­ren, dass der Pati­ent sei­ne häus­li­che Mund­hy­gie­ne opti­miert und somit zum Behand­lungs­er­folg dau­er­haft bei­trägt. Im Rah­men der Vor­be­hand­lung wer­den alle kli­ni­schen und rönt­ge­no­lo­gi­schen Para­me­ter erho­ben, wel­che zur Dia­gnos­tik und zur Ein­schät­zung des Schwe­re­gra­des der Erkran­kung benö­tigt werden.

 

Je nach Befund wird ent­schie­den, ob eine zusätz­lich mikro­biel­le Dia­gnos­tik sinn­voll ist.

Wiederaufbau von Knochen

Plastische Parondontal-Chirurgie I

Kamm­plas­ti­ken

Eine Kie­fer­kamm­plas­tik dient ent­we­der der Kor­rek­tur oder dem Auf­bau von wei­chem und har­tem Stütz­ge­we­be. Hier­mit erreicht man sowohl eine ästhe­ti­sche Ver­bes­se­rung einer unbe­frie­di­gen­den Aus­gangs­si­tua­ti­on als auch eine Sta­bi­li­sie­rung ansons­ten frag­li­cher Zähne.

Eben­so wird durch die­ses Vor­ge­hen eine für Implan­ta­te aus­rei­chen­de Ver­an­ke­rung geschaffen.

Gesteu­er­ter Gewebeaufbau 

Hier­mit ist es mög­lich, ver­lo­ren gegan­ge­nes Stütz­ge­we­be des Zah­nes und des Kie­fer­kno­chens wiederzugewinnen.

Die vor­han­de­nen Defek­te wer­den hier­bei mit kör­per­ei­ge­nem oder kör­per­frem­dem Kno­chen, je nach Wunsch des Pati­en­ten, auf­ge­füllt. Die­ser frisch ein­ge­brach­te Kno­chen wird bis zu sei­ner völ­li­gen Aus­hei­lung durch eine das Mate­ri­al abde­cken­de und zugleich gewe­be­steu­ern­de Mem­bran geschützt. Die Mem­bra­nen kön­nen resor­bier­bar oder nicht resor­bier­bar sein.

EMD, Schmelz-Matrix-Pro­te­in (Emdo­gain) 

Hier­bei han­delt es sich um ein aus Zahn­keim-Extrak­ten von Schwei­nen gewon­ne­nes Pro­te­in. Es soll es zur För­de­rung der rege­ne­ra­ti­ven Erneue­rung von ver­lo­ren gegan­ge­nen par­odon­ta­len Struk­tu­ren die­nen. Es wird des­halb in der par­odon­ta­len The­ra­pie zur För­de­rung der Gewe­be­re­ge­ne­ra­ti­on eingesetzt.

Wiederaufbau von Zahnfleisch

Plastische Parodontalchirurgie II

Ver­brei­te­rung der ange­wach­se­nen Gingiva 

Aus­rei­chen­de Dicke und Brei­te der befes­tig­ten Gin­gi­va ver­zö­gern die Aus­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit einer Ent­zün­dung und sor­gen für eine mecha­ni­sche Belast­bar­keit des Zahn­fleisches. Ist befes­tig­te Gin­gi­va ver­lo­ren gegan­gen, besteht die Mög­lich­keit, die­se durch ein Schleim­haut­trans­plan­tat wiederzugewinnen.

Rezessionsdeckung/Bindegewebstransplantat 

Hier­un­ter ver­steht man die Deckung von frei­lie­gen­den Zahn­häl­sen. Dies kann zum einen dann erfor­der­lich ein, wenn es durch frei­lie­gen­de Zahn­häl­se ver­stärkt zu unan­ge­neh­men Schmerz­sen­sa­tio­nen bei mecha­ni­schen Ein­flüs­sen (Kon­takt beim Zäh­ne­put­zen), ther­mi­schen Ein­flüs­sen (Kälte/Wärme) bzw. che­mi­schen Ein­flüs­sen (süß/sauer), kommt.

Ande­rer­seits stellt ein frei­lie­gen­der Zahn­hals oft ein rein ästhe­ti­sches Pro­blem dar, wel­ches auf die­se Art und Wei­se kor­ri­giert wer­den kann.

Eine bewähr­te Metho­de ist die Rezes­si­ons­de­ckung mit Hil­fe eines Bin­de­ge­webs­trans­plan­ta­tes. Die­ses wird auf der Gau­men­sei­te ent­nom­men und auf den frei­lie­gen­den Zahn­hals trans­plan­tiert. Vor­teil die­ser Metho­de ist die gute Pro­gno­se, ver­bun­den mit einer unpro­ble­ma­ti­schen und schnel­len Abhei­lung des Gewebes.

Verlagerung/Beseitigung stö­ren­der, bzw. tief anset­zen­der Bänder

Die­ser Ein­griff dient der Vor­beu­gung gegen Rezes­sio­nen (Zahn­fleisch­rück­gang) und erleich­tert zusätz­lich eine effek­ti­ve Mundhygiene.

Einfluss auf den Körper

Einfluss der Zahnfleisch-Erkrankung auf den ganzen Körper 

Wis­sen­schaft­li­che For­schun­gen der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit haben Zusam­men­hän­ge und Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Erkran­kun­gen des Zahn­fleischs und dem Gesamt­or­ga­nis­mus erge­ben. Bei­spie­le hier­für sind:

  • Herz­in­farkt
  • Schlag­an­fall
  • Früh­ge­bur­ten und nied­ri­ges Geburtsgewicht
  • Infek­tio­nen der Atemwege
  • Dia­be­tes mel­li­tus Typ II

Umge­kehrt kann die Aus­prä­gung der Zahn­fleisch­erkran­kung durch bestimm­te Ein­flüs­se erheb­lich gestei­gert wer­den. Hier­zu zählen:

  • Rau­chen
  • Stress
  • Dia­be­tes
  • Ernäh­rungs­de­fi­zi­te

Die enge Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Spe­zia­lis­ten, wie z.B. Fach­ärz­ten für Inne­re Medi­zin, ist dann sehr hilf­reich (www.mein-arzt-in-wiesbaden.de).